Insektenwand

 

Insektenwände sind offene Lösswände, die einer großen Anzahl von Insektenarten Nistmöglichkeiten bieten.
Die Bewohner sind bodennistende Wildbienen (etwa 75 % aller Wildbienen), solitäre Wespen, verschiedenste Käfer, Wanzen, Ameisen und Spinnen.
Da natürliche Hohlwege mit offenen Lösswänden immer weiter zurückgedrängt werden, hat der NABU-Meerbachtal in 2019 durch Abtragen eines Hangs im östlichen Hartmannsrech diese Insektenwand angelegt.
Die Insektenwand wird durch einen Paten betreut. Dessen Aufgabe ist es, die Steilwand vegetationsarm zu halten.
In 2022 ist eine große Anzahl von Nistgängen zu beobachten.
In unmittelbarer Nähe zur Insektenwand befinden sich blütenreiche Wiesen, die die Lebengrundlage für die Insekten sind.

Insektenwand im Hartmannsrech am 13.02.2022
Insektenwand im Hartmannsrech am 13.02.2022
Foto: © klahen
Gesamtansicht der Insektenwand im Hartmannsrech am 04.04.2021
Foto: © klahen
Insektenwand im Hartmannsrech mit Blütenflor
Foto: © klahen
Niströhren in der Insektenwand
Foto: © klahen

Neben vielen anderen Insekten wurde 2022 hier auch die äußerst seltene Trugameise
Methocha articulata
bei der Paarung entdeckt.
Die ameisenartigen Tiere gehören zur Familie der Rollwespen (Tiphiidae) und zur Unterfamilie der Trugameisen (Methochinae).
Die Weibchen, 4-8 mm, sind flügellos und besitzen einen außerordentlich langen rot gefärbten Thorax, der aus drei Teilen zusammengesetzt ist.
Die wesentlich größeren Männchen, 8-13 mm, besitzen voll entwickelte Flügel und sind einheitlich schwarz gefärbt. Zur Paarung fliegen sie zusammen mit den Weibchen an geeignete Brutplätze. Dies erklärt auch, warum die Männchen wesentlich größer sind.

Die Nahrung des Nachwuchses besteht aus den räuberischen Larven des Sandlaufkäfers (Gattung Cicindelidae). Nachdem die Larve im Kampf von der Trugarmeise in den Hals gestochen und dadurch gelähmt wurde, zieht die Trugameise die Larve in deren Bodengang zurück und legt ein Ei auf die Larve ab.

Hier können Sie sich den Kampf der Trugameise mit der Larve des Sandlaufkäfers anschauen.

Lebensraum: Offene Sandflächen, vorwiegend in Sandgruben und Sandwegen.

Gefährdung: Gilt nach der Roten Liste in Deutschland als stark gefährdet (2) und ist in einigen
Bundesländern bereits ausgestorben.

Aus dem Vorhandensein der Trugameise kann also auch geschlossen werden, dass sich Sandlaufkäfer an der Insektenwand angesiedelt haben.

Literatur zur Trugameise:
Bellmann, Heiko. Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos Verlags-GmbH . 2017

Weibchen der Trugameise (Methocha articulata)
Weibchen der Trugameise (Methocha articulata)
Foto: Stefan Tischendorf
Männchen der Trugameise (Methocha articulata)
Männchen der Trugameise (Methocha articulata)
Foto: Stefan Tischendorf

Autor: klahen, NABU Meerbachtal, 06/2022

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