Hornissenkasten

 

Natürlicherweise nisten Hornissen in großen Höhlen alter Bäumen und selten auch in Erdhöhlen. Da diese in unseren aufgeräumten Landschaften selten geworden sind, suchen Hornissen im menschlichen Wohnbereich vermehrt auch Schuppen, Scheunen, Dachböden sowie Garten- und Bienenhäuser auf. Bisweilen werden auch Vogelnistkästen besiedelt, die jedoch für eine ungestörte Entwicklung des Volkes zu klein sind.
Um dem Mangel an Nistmöglichkeiten entgegenzuwirken, hat der NABU Meerbachtal 2021 zwei Hornissen-Nistkästen in den Gewannen Hartmannsrech (am Wanderweg 3) und In der Strieth (Wanderweg 1) aufgehängt.

Da die Hornissen mehrere Wabenetagen untereinander bauen, sollte ein Hornissen-kasten innen eine Höhe von ca. 60 cm, eine Breite und Tiefe von je ca. 25 cm haben.
Er sollte mindestens 2 untereinander liegende Einfluglöcher für Ein- und Ausgang von 20 mm Durchmesser (wegen Vogelschutz nicht größer) oder zwei längliche Schlitze (ca. 15 x 60 mm) haben. Eine untere schlitzförmige Öffnung über die gesamte Breite sorgt für Belüftung und Feuchtigkeitsregulierung, außerdem können Abfälle herausfallen.
Bilder eines besonders großen Hornissennests im Kasten finden Sie hier.

Hornissenkasten 1 in Gronau  im östlichen Hartmannsrech 
Foto: © klahen
Hornissenkasten 1 in Gronau im östlichen Hartmannsrech
Foto: © klahen

Falls Sie selbst einen Hornissenkasten bauen möchten, können Sie hier die bewährte Bauanleitung Mündener Hornissenkasten herunterladen.

Hornissenkasten 2 wird im März 2021 in Gronau "In der Strieth" am Birnbaum 43 aufgehängt. 
Foto: © klahen
Hornissenkasten 2 wird im März 2021 in Gronau „In der Strieth“ am Birnbaum 43 aufgehängt.
Foto: © klahen
Hornissennest in einem Nistkasten wurde nach außen erweitert. 
Foto: NABU/Dr. Henner Kinder
Hornissennest in einem Nistkasten wurde nach außen erweitert.
Foto: NABU/Dr. Henner Kinder
Hornissennest im Vogel-Nistkasten, geöffnet, nachdem die Hornissen im Herbst  zugrunde gegangen waren. 
Foto: © klahen
Hornissennest im Vogel-Nistkasten, geöffnet, nachdem die Hornissen im Herbst zugrunde gegangen waren.
Foto: © klahen
Innenansicht des Hornissenkastens 2 mit rauher Krabbelleiste an der Tür und seitlichen Halteleisten zur Stützung des Nests. Auch die Dachfläche muss zur Befestigung des Nests ein rauhes Brett sein. 
Foto: © klahen
Innenansicht des Hornissenkastens 2 mit rauher Krabbelleiste an der Tür und seitlichen Halteleisten zur Stützung des Nests. Auch die Dachfläche muss zur Befestigung des Nests ein rauhes Brett sein.
Foto: © klahen
Hornisse (Vespa crabro germana) Foto: NABU/Heinz Strunk
Hornisse (Vespa crabro germana) Foto: NABU/Heinz Strunk
Hornisse (Vespa crabro germana) 
Foto: NABU/Peter Brixius
Hornisse (Vespa crabro germana)
Foto: NABU/Peter Brixius

Die Hornisse

Die Hornisse ist eine Art aus der Familie der Faltenwespen (Vespidae).
Der Name Faltenwespen ist darauf zurückzuführen, dass die Vorderflügel in Ruhelage längs gefaltet sind.
Hornissen kommen in Europa nur in zwei Arten vor, in unseren Breiten (Hessen) ausschließlich die Art Vespo crabro germana. Diese Art hat eine rote, V-förmige Zeichnung auf der Mittelbrusttasche. Kopf und Rumpfabschnitt sind schwarz, meist mit roter oder rotbrauner Zeichnung. Das erste Tergit des Hinterleibs ist dreifarbig (rot, schwarz, gelb), der restliche Hinterleib trägt die von Wespen bekannte schwarze Zeichnung auf gelbem Grund.
Mit ihren bis zu 40 mm großen Weibchen (Königin) ist die Hornisse das größte staatenbildende Insekt der heimischen Tierwelt.
Die Arbeiterinnen sind 18 – 25 mm groß, die Drohnen (Männchen) 21 – 28 mm.

Kopfschild der Hornisse (Vespa crabro germana) Foto: NABU/CEWE/Jessica Dumrauf
Kopfschild der Hornisse (Vespa crabro germana)
Foto: NABU/CEWE/Jessica Dumrauf

Stationen eines Hornissenjahres

Die Hornissen besiedeln niemals die Nester des Vorjahres. Alte Nester sollten daher im zeitigen Frühjahr entfernt werden.
Die überwinterte Königin legt ab Mai an geeigneter Stelle ein neues Nest an. Dieses muss regengeschützt sein. Das Baumaterial hierfür nagt sie mit Vorliebe an morschem Holz ab. Je nach Holzart variiert die Farbe des Nestes.
Die mit einem dünnen Stiel an der Decke befestigte Anfangswabe, die mit einer Schutzhülle überdacht ist, enthält nur wenige Waben. Diese werden von der Königin mit einem Ei bestiftet. Nach 5 – 8 Tagen entstehen daraus die wachsweißen Larven, die kopfüber in den Zellen hängen. Diese werden zunächst mit einer Drüsenabsonderung der Königin ernährt, aber schon nach wenigen Tagen mit tierischer Kost (Insekten) versorgt, die durch die Königin als durchgeknetete Fleischkugel in die Brutzelle gebracht wird. Die Larve durchläuft fünf Larvenstadien und verpuppt sich nach raschem Wachstum nach 12- 14 Tagen. Weitere 13 – 15 Tage dauert es dann, bis sich aus der verpuppten Made die fertige Hornisse entwickelt hat.
Je nach Gegebenheiten dauert es 28 – 37 Tage von der Eiablage bis zum fertigen Insekt.

Somit ist nicht vor Anfang Juni mit den ersten Arbeiterinnen zu rechnen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Königin ca. 40 Waben gebaut und nach und nach mit Eiern bestiftet. Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese die Brutpflege, während sich die Königin vermehrt der Legetätigkeit widmet.
Die Arbeiterinnen erweitern auch das Hornissennest in mehreren Etagen, diese sind einige Zentimeter voneinander entfernt und mit Stielen aneinander geheftet.
Das Hornissennest ist mit einer Schutzhülle, die luftgefüllte Taschen zur Wärmeisolation enthält, umgeben. Die Schutzhülle umfasst oft jedoch nur einen Teil der Wabenetagen.

Hornissenkönigin (Vespa crabro) bei  der Brutpflege 
Foto: NABU/ Ulrich Vogl
Hornissenkönigin (Vespa crabro) bei der Brutpflege
Foto: NABU/ Ulrich Vogl
Hornisse (Vespa crabro)  knetet ein Fleischbällchen zur Brutpflege aus einem gefangenen Insekt. 
Foto: © klahen
Hornisse (Vespa crabro) knetet ein Fleischbällchen zur Brutpflege aus einem gefangenen Insekt.
Foto: © klahen

Während die ersten Waben nur Arbeiterinnenzellen enthalten, werden im Verlauf des Sommers auch größere Zellen für Geschlechtstiere gebaut. Ihnen entschlüpfen im August die Männchen, die sich dann bereits im Hornissenkasten oder außerhalb am Boden oder auf Bäumen mit den geschlüpften Königinnen paaren. Große Hornissenvölker können bis zu 200 Jungköniginnen hervorbringen.
Ein Hornissennest kann am Ende der Saison über 1000 Brutzellen enthalten, jedoch leben max. 200 Arbeiterinnen im Nest, da diese nur 20 – 40 Tage alt werden.
Wenn im Herbst die Temperaturen längere Zeit unter 15 °C liegen, geht das Hornissenvolk langsam zu Grunde, spätestens Ende Oktober stirbt auch die alte Königin.
Die befruchteten Jungköniginnen suchen sich dann abseits des Nestes eine Überwinterungsmöglichkeit in Schuppen, Ritzen von Balken oder auch im Boden. Die Winterruhe dauert in unseren Breiten ca. sechs Monate.

Nahrung der Hornissen

Wie alle Wespen benötigen Hornissen zur Aufzucht ihrer Brut große Mengen von tierischem Eiweiß in Form von Insekten. Zum Beutespektrum gehören Spinnen, Wespen, Wild- und Honigbienen und alle Arten von Fliegen (ca. 90 %), auch größere Tiere wie Heuschrecken und Libellen sowie Forstschädlinge (z.B. Eichenwickler). Die Insekten werden als durchgeknetete Fleischkugeln in die Brutzellen gebracht.
Ein großes Hornissenvolk benötigt pro Tag bis zu 500 g Insekten und damit das 5-6-fache einer Meisenfamilie.
Insbesondere bei den Honigbienen entsteht dadurch jedoch keinerlei Bestandsgefährdung, da die Fangquote weniger als 1 % im Vergleich zu den nachwachsenden Bienen beträgt!

Im Erwachsenenstadium benötigen Hornissen zum Betrieb des Bewegungsapparats fast ausschließlich Kohlenhydrate. Es wird der Saft reifer Früchte (vor allem Birnen, Pflaumen, Mirabellen und Pfirsiche) aufgenommen, wobei sich die Tiere meist mit überreifem Fallobst begnügen. Auch blühende Sträucher mit leicht zugänglichen Nektarien (z.B. Berberitze, Cotoneaster) und blutende Bäume werden angeflogen. Hornissen können Bäume auch selbst ringeln, um an die Baumsäfte zu gelangen, hierbei entsteht für den Baum jedoch kein ernsthafter Schaden.

Hornisse (Vespa crabro germana) tankt Kohlenhydrate an überreifer Birne 
Foto: © klahen
Hornisse (Vespa crabro germana) tankt Kohlenhydrate an überreifer Birne Foto: © klahen

Gefährdung durch Hornissen

Wenn der Mensch Hornissen, insbesondere in Nestnähe, nicht bedroht, werden diese nicht grundlos angreifen. In Nestnähe sollte man einen Sicherheitsabstand von 5 Metern einhalten. Außerhalb dieses Bereiches verhalten sich Hornissen furchtsam und fliehen vor Störenfrieden. Selbst im Siedlungsbereich stellen Hornissennester unter Einhaltung der Abstandsregel keine Gefährdung da und müssen daher auch nicht entfernt werden!
Die Gefährdung für Menschen und deren Haustiere durch Hornissen ist wesentlich geringer als dies der Volksmund behauptet. Der Spruch „7 Stiche töten ein Pferd, 3 Stiche einen Menschen“ ist schlichtweg falsch. Aufgrund der extremen Seltenheit von massiven Hornissenangriffen tritt hier in der Praxis keine Gefährdung auf. Eine Ausnahme besteht hier lediglich bei Menschen, die allergisch auf Wespen- und Hornissenstiche reagieren. In diesem Fall ist ärztliche Hilfe angeraten.
Die Hornisse kann wie alle Wespen mehrmals stechen, das Gift und die Menge ist bei beiden vergleichbar. Ein Hornissenstich kann jedoch schmerzhafter sein.

Baumaterial für das Hornissennest

Da Hornissen im Gegensatz zu den Honigbienen kein Wachs schwitzen können, besteht das komplette Nest aus einer papierartigen spröden Masse. Der Baustoff hierfür wird vermorschtem, modrig gewordenem Holz aus dem Innern faulender Pfähle und abgestorbener Bäume entnommen. Die Nestfarbe richtet sich nach dem verwendeten Holz.

Artenschutz

Die Hornisse ist in Deutschland seit 1. Januar 1987 eine nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art. Die Nester dürfen daher nicht zerstört werden. Soll ein Volk aber aus triftigem Grund dennoch entfernt werden, kann es meist von geschulten Personen umgesiedelt werden. Dazu ist jedoch eine behördliche Ausnahmegenehmigung erforderlich.

Wer siedelt sonst noch im Hornissenkasten

Die beiden im Jahr 2021 aufgehängten Hornissenkästen wurden zwar mehrmals von Hornissen inspiziert, jedoch bisher nicht von diesen besiedelt.
Jedoch haben andere Wespen großes Interesse an diesem komfortablen und trockenen Nistplatz gezeigt.
Im Hornissenkasten 1 im östlichen Hartmannsrech hatten sich in 2021 zwei Sächsische Wespen (Dolichovespula saxonica) und die Haus-Feldwespe (Polistes dominula), auch Gallische – oder Französische Feldwespe genannt, einquartiert.
Das Nest der Sächsischen Wespe wurde leider nicht zu Ende gebaut, vielleicht wurde die Königin getötet.

Hornisse inspiziert im Juli 2021 Belüftungsschlitz am Boden von Hornissenkasten 1. Foto: © klahen
Hornisse inspiziert im Juli 2021 Belüftungsschlitz am Boden von Hornissenkasten 1. Foto: © klahen
Im Hornissenkasten 1 im Hartmannsrech hat eine Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica)  ihr Nest an der Decke gebaut - Juli 2021 Foto: © klahen
Im Hornissenkasten 1 im Hartmannsrech hat eine Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) ihr Nest an der Decke gebaut – Juli 2021 Foto: © klahen
Nest der Haus- Feldwespe (Polistes dominula) Mitte Juli 2021 
Foto: © klahen
Nest der Haus- Feldwespe (Polistes dominula) Mitte Juli 2021
Foto: © klahen
Nest der Haus- Feldwespe (Polistes dominula) Anfang August 2021 Foto: © klahen
Nest der Haus- Feldwespe (Polistes dominula) Anfang August 2021 Foto: © klahen
Nest der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) im Hornissenkasten 1 an der seitlichen Halteleiste 
Foto: © klahen
Nest der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) im Hornissenkasten 1 an der seitlichen Halteleiste
Foto: © klahen

Im Hornissenkasten 2 hat sich 2022 auch eine Sächsische Wespe einquartiert. Leider wurde das noch junge Nest zerstört. Der Schädling könnte eine Spitzmaus (Soricidae) gewesen sein.

Zerstörtes Nest der Sächsischen Wespe im
 Hornissenkasten 2 "In der Strieth" an Baum 43 
Foto: © klahen
Zerstörtes Nest der Sächsischen Wespe im
Hornissenkasten 2 „In der Strieth“ an Baum 43
Foto: © klahen

Fazit:
In der Natur passiert nicht immer sofort das, was man sich erhofft – manchmal braucht es etwas Zeit!

Kaum zu glauben!
14 Tage, nachdem das zerstörte Nest (siehe oben) im Hornissenkasten 2 fotografiert wurde, haben Hornissen Ende Juni neu gesiedelt. Das alte Nest wurde abgetragen und vermutlich als Baumaterial verwendet.
Unklar ist, warum schon Arbeiterinnen vorhanden sind.
Ist hier ein bereits bestehendes noch junges Hornissenvolk eingezogen?

Hornissennest im Hornissenkasten 2  mit  Hornisse (Vespa crabro germana) Das alte Nest einer Wespe wurde abgebaut und wiederverwendet. Foto: © klahen
Hornissennest im Hornissenkasten 2 mit Hornisse (Vespa crabro germana) Das alte Nest einer Wespe wurde abgebaut und wiederverwendet. Foto: © klahen

Literaturverzeichnis:

Hornisse. 17.06.2022. In Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Hornisse

Roost, Andy. Die Entwicklung einer Hornisse. 17.06.2022. Internet https://www.hornissenschutz.ch/hornissen-entwicklung.htm

Bugert, Hans. Das gigantische Hornissennest 20.06.2022 Internet. https://www.aktion-wespenschutz.de/Bildergalerie/Saisonbilder/2017/08 – August 2017/19.08.17 Giganest im Museum von H. Bugert/Giga-Hornissennest im Naturkunde

Hintermeier, Helmut und Margit. Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. 6. Auflage 2009, Obst- und Gartenbauverlag München

Bellmann, Heiko. Bienen, Wespen, Ameisen. 2017, Franckh-Kosmos-Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Autor: klahen, NABU Meerbachtal, 06/2022

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